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Jacques Lusseyran – ein neues Sehen der Welt
14. April 2010 19.30 Uhr
Jacques Lusseyran (1924 - 1971)
Als Kind „galoppierte“ Lusseyran trotz seiner Kurzsichtigkeit „die Trottoirs der engen Pariser Straßen entlang“. 1932 kommt es in der Schule zu einem folgenschweren Sturz, bei dem das Gestell seiner Sicherheitsbrille die Augen zerstört
und er vollständig erblindet. Gemeinsam mit der Mutter lernt er die Brailleschrift; ihr ist es zu verdanken, dass er auf der regulären Schule bleiben darf – an einem Sondertisch mit Blindenschreibmaschine. Dennoch wird er Klassenbester, denn er fühlt einen starken Leistungsdruck: „Dieses Bewusstsein lastete auf all meinem Lernen wie ein willkürliches und trauriges Gesetz. Ich musste außergewöhnlich sein.“
Besondere Bedeutung gewinnt für Lusseyran die Musik. Er selbst spielt Cello, sein anthroposophischer Vater besucht mit ihm samstags die großen Konzertsäle: „Der erste Musiker, den ich hier hörte, [...] war ein anderes Kind: Yehudi Menuhin.“ 1935 lernt er den Freund Jean kennen; der entwickelt ein taktiles Verständigungssystem, das so gut funktioniert, dass selbst gefährliche Abstiege keine Schwierigkeiten bereiten. Sie leihen sich sogar spielerisch tageweise ihre Augen, „auch daraus machten wir ein Abenteuer.“
1940, noch vor dem Abitur, gründen die beiden eine Widerstandsgruppe mit über 300 Mitgliedern, die sich 1943 der „Défense de la France“ anschließt, wo er ebenfalls Führungsaufgaben übernimmt. Im gleichen Jahr wird er von der Gestapo verhaftet, verhört, in Einzelzelle gehalten und ins Konzentrationslager Buchenwald überführt. Jean überlebt diesen Transport nicht. Den Mitgefangenen vermittelt er einen unbändigen Überlebenswillen bis zur Befreiung des Lagers.
Obgleich mit höchsten Orden dekoriert, bleibt ihm wie allen Behinderten damals der Zugang
zum Staatsdienst versagt; eine Möglichlichkeit bietet die Lehre für Ausländer oder im Ausland. Dies führt ihn nach Saloniki, Skandinavien und in die USA, wo er Professor in Virginia und Ordinarius in Cleveland wird. Dort verliebt sich der bereits zweimal Verheiratete in eine Studentin, die seine dritte Frau wird. Die beiden ziehen nach Frankreich zurück, über die Insel Samos 1969 nach Hawaii, wo Lusseyran erneut einen Lehrstuhl erhält. Vorträge in der Schweiz 1970 ermöglichen Pläne einer Rückkehr nach Europa, da verunglückt das Ehepaar 1971 bei einem Autounfall.
Am Ende seiner Autobiografie stellt Lusseyran fest: „Das Licht kommt nicht von außen, es ist in uns, selbst wenn wir keine Augen haben.“ Er
betont stets die zentrale Rolle innerer Erlebnisse und deren Beziehung zu äußeren Eindrücken: „Es gibt nur eine Welt. Die äußere existiert nur dann, wenn du ihr all das, was du in dir trägst, entgegensetzt. Die innere wirst du niemals deutlich sehen, wenn du nicht die äußere vollständig in dich eindringen lässt.“
Mitwirkende
Im Mittelpunkt des Programms steht das Werk von Jacques Lusseyran, aus dem die Vortragskünstlerin Dörthe Mahraun rezitieren wird. Für den passenden musikalischen Rahmen sorgen der Leiter des „What's new Orchestra“, Martin Fredebeul, bekannt durch Festivalauftritte im In- und Ausland, Kirchenkonzert-Tourneen und
CD-Aufnahmen (Woodwinds, Tasten, Percussion), die Diplom-Musikpädagogin Ulrike Beer-Weilharter, die „MUSIKbeWEGt“ für Kinder und Erwachsene
gegründet hat und zur Zeit Kurse auch in den Räumen der SWW anbietet (Bewegung, Stimme, Percussion, Tasten), sowie Gabriele Villafuerte, Tenor-Saxophon.
Bildergalerie
Fotograf: Thomas Schwarz
Flyer im PDF-Format | nach oben
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