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Karl Kraus Die letzten Tage der Menschheit
15. September 2010 19.30 Uhr
Karl Kraus
geboren 1874 in Böhmen, lebte von Kindheit an in Wien und ist dort 1936 gestorben. 1899 Austritt aus der jüdischen Religionsgemeinschaft. Im gleichen Jahr gründete er die Zeitschrift „Die Fackel“ und war seit 1911 ihr alleiniger Autor, der 37 Jahre lang alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens kritisch analysiert.
Seine scharfzüngigen Beobachtungen in Glossen, Essays und satirischen Aphorismen („Der Skandal fängt an, wenn die Polizei ihm ein Ende macht.“) machten ihn berühmt und berüchtigt. Zu Beginn der 30er-Jahre warnte der Autor vor der drohenden Entmenschlichung durch den Nationalsozialismus, kritisierte jedoch auch die Politik der Sozialdemokratie. Er begriff seine Publizistik stets auch als Kampf gegen die Doppelmoral von Justiz und Presse und für die Reinheit der Sprache.
Die letzten Tage der Menschheit
Während des 1. Weltkriegs wurde „Die Fackel“ mehrmals konfisziert, weil Kraus eine pazifistische Haltung vertritt und die österreichische Kriegspolitik scharf kritisiert. Ihr entstammen große Teile der „Letzten Tage“, die ab 1916 entstand.
Die Tragödie in fünf Akten mit Vorspiel
und Epilog umfasst 220 Szenen, in denen mehr als 500 Figuren der Zeitgeschichte auftreten. Diese Repräsentanten einer entfesselten Unvernunft
werden von Kraus ins Maskenhaft-Typische stilisiert und tragen sprechende Namen wie Kommerzienrat „Wahnschaffe“, Familie „Durchhalter“ und Major „Metzler“. Unablässig wechselt der Schauplatz: Straßen Wiens und Berlins, Kanzleien und Kasernen, Hinterhöfe und großbürgerliche Wohnungen, Friseursalons und Redaktionen, Lazarette und Wallfahrtskirchen.
Mehr als ein Drittel des Tragödientextes hat der Dichter aus Zitaten zusammengestellt, die Zeitungsmeldungen, militärischen Tagesbefehlen, Verordnungen, Gerichtsurteilen, Anzeigentexten und Gedichten entstammen. Dies verleiht dem „Angsttraum“ (ursprünglicher Untertitel) über eine Zeit, in der „Operettenfiguren die Tragödie der Menschheit spielten“, große Authentizität. „Die Mitwelt stelle das Recht zu lachen hinter die Pflicht zu weinen.“ (Vorwort)
Kraus hatte eine Bühnenaufführung zunächst nicht für möglich gehalten. Das Stück bediene sich doch nur des dramatischen Scheins als eines Mittels. Es sei zu bezweifeln, ob dessen Szenen „selbst mit den besten Schauspielern auf der Bühne auch nur annähernd das dramatische Leben behalten würden, das sie vor dem verständigen Leser oder dem Hörer einer Vorlesung unschwer gewinnen.“ 
Kraus arbeitete Ende der 20er-Jahre an einer gekürzten Fassung und hatte mit einer solchen „Vorlesung“ u. a. Auftritte in Wien, Prag und Berlin. Erst 1974, zum 100. Geburtstag, folgte eine Gesamtlesung im österreichischen Rundfunk und eine gefeierte Inszenierung in Basel, die zwei Abende in Anspruch nahm. Beide Illustrationen: Mihály Biró (1886-1948). Oben Werbung für einen Kraus-Abend, „Grabgesang“ für die K.K.-Monarchie
Mitwirkende
Claus Obalski begann seine künstlerische Laufbahn 1977 an den Münchner Kammerspielen. Trotz regelmäßiger Bühnenauftritte arbeitet er hauptsächlich für Fernsehen und Hörfunk. Bislang sind von ihm neun Hörbücher mit Texten von Ludwig Thoma erschienen. Auch als Kabarettist
auf dem Nockherberg überzeugte er. Roland Astor ist gebürtiger Salzburger und in Wien aufgewachsen. Er erhielt dort seine Schauspielausbildung. Nach Gastverträgen in Bern,
Zürich, Hamburg, Stuttgart und München sowie für Tourneen übernahm er in vielen Film- und Fernseh-Produktionen Hauptrollen, ebenso
in Musicals. Er entwickelte literarische Programme über Komponisten und hat in Hörspielen mitgewirkt. Sechs Hörbücher entstanden.
CD-Verkauf
Diese Kraus-CD gibt es bei uns am 15. September 2010 zum Sonderpreis!
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