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16. April 2008

LiteraTierisches

Satire und Tiere

Papyrus, 1335-1085 v. Chr.Diese Konstellation lebt von der Jahrtausende alten Praxis, die verschiedenen physiognomischen Merkmale des Menschen sowie seinen Charakter und sein Verhalten mit Hilfe von Vergleichen aus dem Tierreich zu beschreiben. So entstand eine regelrechte Tiertypologie, die bis in die Alltagssprache vordrang: bienenfleißig, nachäffen, dreckiges Schwein. Wie diese Beispiele zeigen, schließen sich erkenntisgewinnende und satirische Absichten nicht aus.

Della Porta, De Humana PhysiognomoniaDie durch Naturlehre, Fabel und Physiognomikertraktate geprägte antike Tiertypologie wurde durch christliche Interpretation überlagert, gewann aber seit der Renaissance wieder an Boden. Der neapolitanische Arzt Giovanni Battista Della Porta analysierte 1586 sämtliche menschliche Körperteile von Kopf bis Zehen mit Hilfe antiker Autoritäten bis ins Letzte auf zuweilen recht kuriose Weise.

Granville, Naturhistorisches Kabinett, 1833

Im 19. Jahrhundert setzt Jean Isidore Gérard, genannt Grandville, die Möglichkeiten des Mensch-Tier-Vergleichs wie kein anderer vor ihm für seine satirischen Arbeiten ein, die u.a. in der Zeitschrift La Caricature erschienen. Er beherrscht mit großer Virtuosität sämtliche Traditionen auf diesem Gebiet: den gesamten oder teilweisen Austausch von Mensch und Tier ebenso wie deren allmähliche Verwandlung. Er experimentiert in der Nachfolge Lavaters überzeugend mit der Silhouette (Titelbild). Die Serie Métamorphoses du Jour vermittelt mit Tiergestalten das aktuelle politische Geschehen. Ein weiterer Höhepunkt ist sein Werk Staats- und Familienleben der Tiere, laut Untertitel Studien der zeitgenössischen Sitten, für die berühmte Schriftsteller den Text schrieben.


Programm

Wilhelm Busch:Es sitzt ein Vogel auf dem Leim
Manfred Kyber:Die fünfte, sog. feuchte Sinfonie
Kurt Tucholsky:Der Löw´ ist los
Hanns von Gumppenberg  
(nach Friedrich Rückert):
Im Stübchen beim Liebchen
Wolfgang A. Mozart:Ein Star über einen Star
Joh. Wolfgang v. Goethe:Beruf des Storchs
Manfred Kyber:Die Eintagsfliege
Wilhelm Busch:Hänschen Däumeling
Volksweise:Eins, zwei, drei ...

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   Granville, Köpfe, 1844

sehr frei nach Wilhelm Busch:Die wunderbare Bärenjagd am Semmering
Brüder Grimm:Die Bremer Stadtmusikanten
Joachim Ringelnatz:Die Krähe
Kurt Tucholsky:Affenkäfig
Christian Morgenstern:Der Hecht
Wilhelm Busch:Naturgeschichtliches Alphabet
Joachim Ringelnatz:Seehund zum Robbenjäger
Unbekannter Verfasser:Der Ball der Tiere


Mitwirkende

Jürgen Wegschneider, Bence Barla-Szabo und Markus Maria Winkler Jürgen Wegscheider (li.), geb. 1979 in Wolfsberg / Kärnten, und Markus Maria Winkler (re.), geb. 1975 in Wilhelmshaven, besuchten die Schauspielschule Ruth von Zerboni in Grünwald und bildeten ihren hohen Bariton in München bei Miguel Baraldes und Hanno Blaschke aus. Ihr Theaterdebüt gaben sie 2003 bzw. 2001. Neben Engagements und Tourneen in ganz LiteraTierisches mit Jürgen Wegscheider, Markus Maria Winkler und Bence Barla-Szabo, Gitarre Titel: Grandville, Die Schlagschatten (Ausschnitt), 1830 Deutschland arbeiten sie mit Cordula Trantow beim Südbayerischen Theaterfestival zusammen.

Bence Barla-Szabo stammt aus Budapest, lernte klassische Gitarre bei Peter Jermer, Jazz bei Gregor Muhr und Komposition bei László Draskóczy. Er gestaltete 2006 in München den Musikpart eines Theaterstücks und tritt hier häufiger mit der Schauspielerin Anette Mayer auf.



Fotos von der Lesung

Fotos: Thomas Schwarz  
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