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23. November 2006

Boarischer Hoagascht


Georg Queri (1879 – 1919)

Georg Queri Sein Geburtshaus in Frieding nahe dem Kloster Andechs ist heute "Der Obere Wirt zum Queri". Er wuchs in Starnberg auf; ein Sportunfall, bei dem er sich das Hüftgelenk zerschmettert, beeinträchtigt ihn zeitlebens. Queri macht sich seit 1902 als Lokal- und Gerichtsreporter Münchner Zeitungen einen Namen.

Wenige Jahre später gerät er selbst mit Gericht und Polizeidirektion in Konflikt: 1908 in der Eulenburg- Affäre, 1911/12 wegen seiner aufgrund ihrer Drastik Skandal erregenden Studien über "Bauernerotik und Bauernfehme in Oberbayern" und "Kraftbayrisch", heute volkskundliche Standardwerke. Damals retteten ihn nur Gegengutachten von Ludwig Ganghofer, Otto Maußer und Ludwig Thoma vor der Verurteilung.

Georg Queri Ihn hatte er 1909 in Oberammergau kennengelernt, wo er im Haus Georg Langs während der Passionsspiele wohnte und deren ältesten Text edierte; darüber kam es 1910 zu einem Streit mit Lion Feuchtwanger.

Als kurzzeitiger Reporter in New York, Schriftleiter des "Starnberger Land- und Seeboten", Redakteur der "Jugend", Kriegsberichterstatter in Frankreich, Mitarbeiter der "Vossischen Zeitung" blieb er stets auch Journalist.

Aus der katholischen Kirche trat er 1905 aus und neun Tage später wieder ein. Nach der Novemberrevolution 1918 war er seit Februar 1919 Mitglied im Arbeiterrat und Sozialdemokratischen Verein in Starnberg und trat enttäuscht im Juni wieder aus.

Während seines Aufenthalts bei Thoma am Tegernsee wenige Monate vor seinem Tod inszeniert er im dortigen Bauerntheater sein Singspiel "Matheis bricht’s Eis" für eine Deutschlandtournee. Thomas Charakterisierung "Wo Queri war, saß Altbayern mit seinem breiten Lachen und seinem schlagfertigen Witze am Tische" blendet manches aus und trifft wohl nur einen Teil von dessen Persönlichkeit.

Felix Hoerburger (1916 – 1997)

Das Interesse des 1916 in München geborenen Musikwissenschaftlers galt gleichermaßen heimatlichen und fremden Kulturen. Die Bandbreite reicht von der Tanzmusik des Balkans bis zur Musikethnologie Afrikas, Taiwans, Nepals und Afghanistans. Bei seinem Lehrer Kurt Huber lernte er Kiem Pauli kennen und dessen Editionen des bayerischen Volkslieds. Aus seiner Sammlung der Handschriften der bayerischen Blas- und Tanzkapellen entstand 1956 der Katalog taktwechselnder Tänze, der "Zwiefachen".

Mindestens ebenso bekannt wurde Hoerburger 1975 als Erfinder des "Schnubiglbairischen". Es steht als lautmalend an den bairischen Dialekt angelehnte Nonsens-Sprache in der Tradition der Dadaisten. Er selbst meint dazu: "manchmal brauch i des einfach/ manchmal brauch i/ a kloans nonsenserl/ auf der straß/ oder im omnibus/ oder in der vorlesung/ a ganz kloans nonsenserl// des merkn die leit gar net/ weil die koan verstand net haben/ für so a kloans nonsenserl/ so einen verstand hab bloß i/ verschtengerns mi?" Ihm kam es stets darauf an, durch das Aufsagen der Verse ihren eigentümlichen Klangcharakter zur Geltung zu bringen.


Die Künstler
René Senn, geboren 1951 in Lostorf (Schweiz), lebt als Musiklehrer in Oberdorf (Kreis Fürstenfeldbruck). Neben unterschiedlichen Gitarrenstilen unterrichtet er Hackbrett und Perkussion. Mitglied in Musikgruppen wechselnder Besetzung mit einem Repertoire von der Klassik über Weltmusik bis zu alpenländischer Volksmusik. Er musiziert an diesem Abend mit Willi Kirner altbairische Volksmusik und "Eigenes".

Beate Himmelstoß, geboren 1957 in Starnberg und von Kindheit an mit der bairischen Sprache vertraut. Das Spielen und Rezitieren hat sie bei Jürgen Goslar und Lore Büttner gelernt. Sie arbeitet seit 1986 als Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk. Bei uns zuletzt mit einem Morgenstern-Programm, gemeinsam mit Doris Seitner.

Programm

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Rhythmische Reime und Gstanzln
  • Raufangkihra / Suppnschira / Boanabeißa / Hosnscheißa! / Zwölfileitn / Huat aufd Seitn / Kreizal macha / nimma lacha!
Georg Queri
  • Wann die alt Heindlin auf den Brucker Markt geht
  • Gebet zu unsern liebn Herrgott, wo sein Sunn scheinen lasst über Gerechte und Ungerechte, aber alles, was recht is: dieselln Niederzeismaringer hat er halt doh net heraußn!
  • Es schlaft ein anderer bei ihr!
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Herbert Schneider
  • So tröpfalweis
Harald Schmid
  • Liebesgedicht
Franz Ringseis
  • S´Gänsebleame und i
Maria Luisa Innerhofer
  • S´Bergbachl
Emerenz Meier
  • Wödaschwüln
Gotthelf Gollner
  • Vor dem Gewitter
  • Große Welt

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Gustl Laxganger
  • Hirgst
Max Dingler
  • A kloane B´sinnlichkeit
Gerd Maier
  • Gebet
Harald Grill
  • Totenmesse
  • Unter unserm Dach
  • Englsturz
  • Wintergrün

  * * * * * * * * * * * * * * * * * * *  Pause  * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *


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Julius Kreis
  • Die Zimmerwirtin
  • Wie der Kapfinger ein Pionier der neuen Kunst wurde
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Felix Hoerburger
  • preambel an stelle einer gebrauchsanweisung
  • a kloans nonsenserl
  • die scheißtraurige gschicht von der schönen salzbrezn und dem frustrierten leberknödl
  • es schnab es schnub
  • wann drobn am himmi
  • traumgsicht namber zwoa

Dieser Hoagascht wird präsentiert von der Lautensänger Besemfelder-Stiftung.
Information: www.besemfelder-stiftung.de


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Fotos: Rainer Köfferlein (6)
Thomas Schwarz (7)
Wolfgang Schwieren (7)
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