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Lesung: Michael Bulgakow, Hundeherz

Der Autor
Michail Bulgakov ist einer der bedeutendsten russischen Erzähler und Dramatiker des 20. Jahrhunderts. 1891 in Kiew geboren, studierte er in den Jahren 1909 bis 1916 Medizin und praktizierte zunächst als Lazarett-, dann als Landarzt. Bereits 1917 begann Bulgakov seine literarische Karriere mit den "Aufzeichnungen eines jungen Arztes" und war darüber hinaus journalistisch tätig. Die vier Hauptthemen seiner Bühnen und Prosawerke sind das Arztmilieu, der Konflikt zwischen Dichter und Staat, der russische Bürgerkrieg und die Phase der Neuen Ökonomischen Politik in Moskau, wo er 1921 bis zuseinem Tod 1940 lebte. Die staatliche Zensur verhinderte, dass mehr als ein Erzählungsband zu Lebzeiten des Satirikers des Alltagslebens in der jungen Sowjetunion veröffentlicht wurde. So verblieb Bulgakov lediglich eine notdürftige Existenz als Opernlibrettist und Übersetzer.


Das Stück
Die Novelle "Hundeherz" entstand 1925, wurde jedoch zuerst 1968 in einer russischen Exilzeitschrift gedruckt und konnte erst 1987 in der Sowjetunion veröffentlicht werden. Die dramatische Handlung spielt zu Beginn der Zwanziger Jahre in Moskau und ist ein aktueller satirischer Kommentar zur damaligen politischen Lage.
Cornelia Schweitzer Der geniale Chirurg Professor Filipp Filippowitsch Preobrashenski, eine sympatisch geschilderte Persönlichkeit noch ganz aus der Zarenzeit, experimentiert mit Organtransplantationen, die seine Patienten verjüngen sollen. In diesem Zusammenhang interessiert ihn der Einfluss der Hoden und Hypophyse, die er
mit seinem Assistenten Dr. Iwan Arnoldowitsch Bormental einem Straßenköter einpflanzt. Das verheerende Ergebnis: Die gesamte sozialistische Hausgemeinschaft wird durcheinandergewirbelt.
Mit seiner scharfen Sozialkritik am Idealproletarier macht Bulgakov auf amüsante Weise den durch die Revolution zur Macht gelangten "neuen Menschen" lächerlich. In grotesker Mischung von Realität und Phantastik wird das Tier zum Menschen und umgekehrt der Mensch zum Tier.
Bulgakov arbeitet mit einer Vielzahl von stilistischen Kunstgriffen und Bedeutungsebenen. Die Technik des inneren Monologs charakterisiert den heruntergekommenen Straßenköter psychologisch überzeugend als ein Wesen mit menschlichen Qualitäten.
Es symbolisiert zugleich den unabhängigen Schriftsteller. Für ihn gilt: "Mit Terror ist bei einem Tier gar nichts zu erreichen, auf welcher Entwicklungsstufe es auch stehenmag." Der verwandelte Genosse Polygraf Polygrafowitsch Bellow lässt hingegen den durch Ideologie sowie Zensur manipulierten "vielschreibenden" Literaturfunktionär erkennen.


Die Interpretin
Cornelia Schweitzer wurde 1956 in München geboren. Sprecherziehungs- Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Zusätzliche Schauspielausbildung in München. Engagements an verschiedenen deutschsprachigen Theaterbühnen, zum Beispiel dem Landestheater Detmold und dem Staatstheater Stuttgart. Lehrtätigkeit an der Universität Hildesheim und der Folkwang Hochschule Essen im Bereich Kulturpädagogik, Schauspiel, Oper und Musical. Bühne, Kamera und Mikrofon sind der Dozentin für Medienpraxis gleichermaßen vertraut. Cornelia Schweitzer


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