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"eile mit feile"
Die SWW-Theatergruppe spielt nach
einem Gedicht von Ernst Jandl
Donnerstag, 25. Sept. 2003
Einlaß: 19.30 Uhr
Beginn: 20.00 Uhr |
Seit Februar 2002 gibt es in der SWW eine kontinuierliche
Theaterarbeit mit mehrfachbehinderten, sehgeschädigten
Mitarbeitern aus der Werkstatt für Sehgeschädigte und
betreuendem Personal, unter der Leitung von Kunigunde Thiess, Bereichsleiterin.
- In unserer Theaterarbeit geht es darum, eigene
Ausdrucksformen zu entwickeln und zwar in Kenntnis
und Abgrenzung zum "normalen" Theater. Nicht Imitation
Sehender ist das Ziel der Körperarbeit, sondern
Spiel- und Experimentierfreude in vertrauensvoller und
offener Atmosphäre.
- Wir nutzen den Schonraum unserer Einrichtung, um
Talente zu entwickeln.
- Wir wissen um die sonderpädagogische Bedeutung des
Theaterspiels für die Körperwahrnehmung, die
Persönlichkeitsentwicklung sowie das Selbst- und
Fremdbild.
- Wir spielen für uns und für das Publikum " wir wollen
keinen Mitleidsbonus. Wir wollen einen eigenen Beitrag
für unsere "Werkstatt Kultur" leisten und uns darüberhinaus
dem Theaterpublikum stellen.
In diesem Jahr konnte Sacha Anema als freie Theaterpädagogin
engagiert werden.
- Ausbildung an der Theaterschule in Amsterdam,
- Theater- und Filmprojekte in Holland, USA, Österreich
und Deutschland,
- seit 1986 in München als freischaffende Performerin,
Regisseurin, Choreografin und Pädagogin,
- zuletzt am Stadttheater Ingolstadt, in Nürnberg am
Theater Thevo, beim Theatersommer Garmisch-Partenkirchen
und in München bei "Kultur auf Rädern".
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Konzept,
Regie und
Choreographie:
Sacha Anema
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Mitwirkende:
Astrid Daschner
Dominik Kern
Julia Maier
Manfred Gutermann
Carolin Essler
Florian Friegel
Cathleen Hestermann
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Melanie Schellhorn
Marie-Luise Bähr
Mareike Bähr
Kunigunde Thiess
Ton&Technik:
Marc Eitel
Udo Botzenhard
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ich heiße wie ich heiße wie ich heiße
ich heiße ich heiße ich heiße
das heiße in mir ist nicht sehr heiß
ich könnte auch anders heißen
die bürste klappert am...
ich heiße wie ich heiße wie ich heiße
ich beiße
ich könnte auch anders reimen
unrein unter bäumen, unreinen bäumen
ich könnte auch anders reimen,
die kiste die wüste die kiste die wüste die küsse
aufräumen aufräumen aufräumen
aufbäumen
namen aufräumen, schluß machen
mit den namen schluß machen
das bett heißt nicht mehr bett
die tür heißt nicht mehr tür
der tisch heißt nicht mehr tisch
das papier heißt nicht mehr papier
der stift heißt nicht mehr stift
die schrift heißt nicht mehr strift
das buch heißt nicht mehr buch
das handtuch
das taschentuch
das fossil
der terr...
die radikalität
weh dem, der keinen namen mehr versteht
wohl dem, der keinen namen mehr versteht
Ernst Jandl
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Theaterabend in Giesing
Jandls Ernst
Großer Andrang im Casino der Werkstatt für Sehgeschädigte, wo die Theatergruppe des Hauses ein Gedicht des österreichischen Sprachakrobaten Ernst Jandl eindrucksvoll in Szene setzte. Was herauskam, war weit mehr als eine Umsetzung dichterischer Verse unter den besonderen Bedingungen einer Behinderteneinrichtung.
Der Abend fand im Rahmen der Werkstatt Kultur der Südbayerischen Wohn- und Werkstätten für Blinde und Sehbehinderte gGmbH (SWW) statt. Deren Bandbreite im Bereich der Musik umfasst u.a. romantische Sonaten auf dem hauseigenen Steinway-Flügel, Gospelgesang, den Auftritt einer reinen Frauenformation unter Einsatz von Lockenwicklern und Nervensäge und ein Open-Air-Konzert mit Gipsy und Klezmer. Hinzu treten Literatur-Lesungen, die wie alles Akustische für Sehbehinderte einen besonderen Stellenwert haben. Auch in der Theaterarbeit geht es darum, eigene Ausdrucksformen über herkömmliches Theater hinaus zu entwickeln oder ihnen zum Durchbruch zu verhelfen. Kunigunde Thiess, Leiterin dieses ehrgeizigen Projekts: „Nicht Imitation Sehender ist das Ziel der Körperarbeit, sondern Spiel- und Experimentierfreude in vertrauensvoller und offener Atmosphäre.“
Davon konnten sich bei der Premiere am 25. September alle Anwesenden überzeugen. Ebenso wie der vom Dadaismus beeinflusste Wiener Dichter durch winzige Lautveränderungen den Dingen oft unerwartete Eigenschaften abgewann, fanden auch die blinden Darsteller überraschende und dennoch überzeugende Szenarien für dessen experimentelle Poesie. „Ich heiße wie ich heiße“ spielt in einem Wartesaal, wo einander fremde Menschen sich für kurze Zeit begegnen und die Erfahrung machen, dass Selbstverständliches leicht kippen kann. Sacha Anema, die aus den Niederlanden stammende Regisseurin und Theaterpädagogin: „Viele Einfälle entstanden erst während der Arbeit am Stück, denn die Mitwirkenden agierten in ihrer Rolle voll aus dem Bauch heraus.“ Was man dem „Superstar“ Florian Friegel auch in jeder Sekunde ansah. Manfred Gutermann spricht von einer großen Herausforderung, vor allem im Hinblick auf die geforderte Bühnenpräsenz. Er habe jedoch auch sprachlich viel gelernt. Der Wechsel zwischen Traumsequenzen und Rückkehr in die Wirklichkeit gelang spielerisch mit der improvisierten Musikbegleitung von Michaela Dietl, die in der Europäischen Straßenmusik zu Hause ist. Die Originaltöne vom Bahnhof und der Musik-Mix gaben dem Ganzen zusätzlich Authentizität.
Der Erfolg dieser Theateraufführung bestätigt ein 2002, zum 10-jährigen Jubiläum der SWW, entwickeltes strategisches Konzept. Ausgehend von dem Gedanken des gegenseitigen Gebens und Nehmens wurde ein Kulturfonds für ein Forum gegründet, das Geschäftspartner und Sponsoren, Behinderte und ihre Familien und Freunde sowie die Mitarbeiter des Hauses auf künstlerisch anspruchsvollen Veranstaltungen zusammenführt. Gemeinsame Erlebnisse verbinden – und es tut gut zu beobachten, wie dies immer wieder gelingt. Denn die Rolle als Gastgeber in eigenen Räumen lässt genusshemmende Faktoren für Menschen mit Behinderungen zurücktreten und das soziale Engagement von Wirtschaftsunternehmen vollzieht sich „barrierefrei“ und auf gleicher Augenhöhe. Michael Lohner, Geschäftsführer der SWW, erinnert sich in diesem Zusammenhang an ein Schlüsselerlebnis vor einigen Jahren, bei dem das Publikum beobachten konnte, wie die durch die Musik vermittelten positiven Schwingungen auf behinderte Teilnehmer ihre Wirkung entfalteten. Denn das Glück eines Mitmenschen vermag sich auch auf einen selbst zu übertragen.
Keinesfalls verschwiegen seien auch eher profane Aspekte: Menschen aus dem Umkreis stellen sich aufgrund ihrer Erlebnisse für eine ehrenamtliche Tätigkeit zur Verfügung und potentielle Sponsoren können eingebunden werden. Speziell die Theatergruppe steht auch für Aufführungen außerhalb des Hauses zur Verfügung und kann Geld einspielen. Externe Künstlerinnen und Künstler, die für dieses Forum gewonnen werden, verzichten häufig auf einen Teil ihrer Gage, weil sie die besondere Atmosphäre der Begegnung zwischen Behinderten und Nichtbehinderten schätzen. Sie erleben eine Art von Resonanz, die sehr viel unmittelbarer herüberkommt und den zündenden Funken leichter überspringen lässt, wie im Gespräch nach den Aufführungen zu erfahren ist. So können die Interessen und Bedürfnisse von Gästen und Gastgebern in vielleicht idealer Weise in Einklang gebracht werden.
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Flyer „Eile mit Feile“
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